Unser Wohnort ist ein wilder Berg

Das reichhaltige Buch «Unsere Heimat ist ein wilder Berg» enthält Sapüner Schriftstimmen aus mehreren Jahrhunderten

Mittels Schriftquellen aller Art zeichnet ein neu erschienenes Buch in 39 Kapiteln das Leben der Sapüner Dorfbevölkerung nach. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem 18. und 19. Jahrhundert.

Das opulente Buch mit Goldschnitt lässt auf die Geschichte einer Adelsfamilie oder die Präsentation eines renommierten Museums schliessen. Doch es ist der Einblick in das einfache Leben in einem Seitental des Schanfiggs. Der Titel des Buches – «Unsere Heimat ist ein wilder Berg» – ist ein Zitat aus einem der vielen, mit wissenschaftlicher Genauigkeit transkribierten Zeugnisse aus der alten Walsersiedlung Sapün. Erstmals taucht der Ort 1273 als Sapuni in einer Urkunde auf, der Weiler liegt auf rund 1700 Meter an der damals wichtigen Säumerroute über den Strelapass nach Davos und weiter über Scalettaund Ofenpass ins Münstertal und in den Vintschgau. Im 13. Jahrhundert kolonisierten die Walser das Gebiet und verdrängten die romanische Sprache mit ihrem Walserdeutsch.

PROFESSOR PETER RICHARDSON zeigt dem Schreibenden eines der vielen Dokumente, das er in intensiver Arbeit in seinen Ferien in Sapün transkribierte, es ist ein Aufsatz über den Frühling, geschrieben 1870 in ein Schulheft. Richardson wuchs auf einer Farm im amerikanischen Illinois auf, er ist verheiratet mit Beverly, geborene Danuser mit Bündner Wurzeln. So kam es, dass der Sprachgelehrte, der an amerikanischen und deutschen Universitäten germanische Philologie studierte, seine Doktorarbeit 1969/70 im Staatsarchiv in Chur schrieb und Churerdeutsch lernte. Thema seiner Dissertation: die Vornamengebung in den Walserkolonien Graubündens.